Aus der Recklinghäuser Zeitung
Montag, 20. August 2018

 

Recklinghausen

„Besser geht es nicht“


Von Kristina Schröder

Die Krim hat einen unheimlichen Reiz auf mich ausgeübt“, sagt Rike Knop-Menzel mit strahlenden Augen. Und auch heute lässt ihre Faszination nicht nach – im Gegenteil. „Die Krim ist das schönste Viertel Recklinghausens“, schwärmt Rike Knop-Menzel. „Im Herzen der Krim, auf der Kreuzung vor dem Eckstein. Das ist doch ein Traumplatz. Mit dem Blick auf den Schwung des Banniza-Gebäudes, den Kirchturm von St. Peter und all die schönen Ecken.“ Ein Stück die Münsterstraße aufwärts nimmt Rike Knop-Menzel auf den Stühlen vor einem einstigen Ackerbürgerhaus Platz. „Ist das nicht schön, wie sich die Fachwerkfassade in den großen Fenstern des Jerke-Museums spiegelt?“ Die Krim ist ein Mix aus Alt und Neu. „Das Leben der Leute spielte sich in der alten Krim auf der Straße ab. Man saß draußen auf einem Stuhl vor dem Haus. Heute ist das mit der Gastronomie wieder da. Es ist ein richtiges Wohlfühlviertel geworden.“

Das war aber nicht immer so. Wenn sie sich an ihre Kindheit erinnert, hat sie ganz andere Bilder im Kopf. „Das war hier wie auf dem Dorf. Wir sollten hier aber wegen der unhygienischen Zustände nicht spielen, doch alles, was verboten ist, hatte natürlich seinen besonderen Reiz.“

Die alte Krim, das waren einst die Ring-, die Turm- und die Wiethofstraße. Die Ringstraße gibt es heute nicht mehr. Sie ist dem Bau des Sparkassengebäudes am Herzogswall in den 1960er-Jahren zum Opfer gefallen. In den 70ern wurden Paulsörter und die Krim zu Sanierungsgebieten. „Das bedeutete leider den Abriss vieler alter Häuser. Einige sind aber geblieben und die sind heute der Hingucker.“

Der Name Krim geriet viele Jahre in Vergessenheit. Bis die lose Interessengemeinschaft der ansässigen Händler das Viertel 1992 wieder aufleben lief. 2008 gründete sich schließlich die ISG Krim mit dem Ziel, diesen Teil der Altstadt zu beleben und aufzuwerten. „Und das ist denen gut gelungen“, meint Rike Knop-Menzel, die ins Schwärmen gerät. Vor allem die Messingplatten im Boden, die alle paar Meter mit einem Spruch die Fußgänger erheitern sollen. „Die Leute sollen hier ja nicht einfach nur durchrennen, sondern flanieren. Es gibt so viele inhabergeführte Geschäfte und viele schöne Winkel zu entdecken.“ Wer aufmerksam ist, kann viel Geschichte aufstöbern.

Heute umfasst die Krim einen viel größeren Teil, reicht vom Lohtor bis zur Augustinessenstraße, von der Rückseite der Engelsburg bis zur Münsterstraße. „Hier“, sagt Rike Knop-Menzel und deutet auf das Café Tante Emma und Betten Korten, „das sind stolze Bürgerhäuser mit ihren Erkern und den verschnörkelten Blumen. Man muss in Recklinghausen immer nach oben sehen“, betont die 70-Jährige.

Blick in die Wiethofstraße: „Rechts ist alles abgerissen worden. Aber Gott sei Dank hat man kleinteilig neu gebaut. Links gibt es noch tolle alte Fachwerkhäuser, die unter Denkmalschutz stehen. Das hat Charme“, erklärt die Stadtführerin und zieht ein großes Bild aus ihrer Tasche. Es zeigt die Hinteransicht des Hauses an der Wiethofstraße, in dem heute Betten Korten ansässig ist. „So sah es aus, als ich Kind war.“ Was heute schön verputzt in weißer Farbe glänzt, war damals alles staubig, nackte Ziegelfassade. „Und ich fand es damals schon schön.“

 
   

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