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Ausgabe Recklinghäuser Zeitung
Montag, 23. Juli 2018
 

RECKLINGHAUSEN

Willkommen in der Engelsburg

 nin der Engelsburg


Von Alexander Spieß 


Für Rolf Rose ist die Engelsburg eine Konstante in seinem Leben. Sie war schon immer da. Damals, als er als Knirps und Mitglied der „Limperbande“ die Frauen an der Rezeption des Hotels ablenkte, um einen Blick in den geheimnisvollen Hof zu erhaschen. Und heute, wenn er als Stadtführer Gäste über die mit Teppich ausgelegten Flure des geschichtsträchtigen Vier-Sterne-Hotels führt. „Für mich ist das hier der faszinierendste Platz in der Stadt“, sagt Rose, als er vor der Barock-Fassade an der Augustinessenstraße steht.

 

Der damalige Richter Clamor Konstantin Münch erbaute die Engelsburg 1701 als privaten Wohnsitz nach dem Vorbild münsterländischer Herrenhäuser. Zimmer konnte es schon damals kaum genug geben. Neben dem Richter und seiner Familie wohnte auch der Verwalter mit seinen 15 Kindern in dem U-förmigen Gebäude.

 

Ein schauriges Relikt des Richters Münch hat die Jahrhunderte überdauert. Es hängt heute im ersten Stock an der Kaminwand: das Richtschwert. Wie viele Menschen mit der 1,50 Meter langen Klinge ins Jenseits befördert wurden, weiß Rolf Rose nicht. „Richter Münch verhängte viele Todesurteile“, sagt der Stadtführer. „Das war einfach die Zeit.“

 

Nicht nur Mörder mussten mit der Todesstrafe rechnen. Auch Viehdiebe hatten keine Gnade zu erwarten. Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte auf dem Hochlarer Segensberg spendierte Richter Münch den Verurteilten drei Liter Bier. „Allerdings hatte das Bier damals nur 0,5 bis 1,5 Prozent Alkohol“, weiß Rose. Neben dem Schwert hängt eine Muskete, an deren Schaft schon mancher Holzwurm nagte.

 

Im Innern wirkt die Engelsburg größer, als von außen vermutet. Ein paar Meter neben den Waffen geht es hinein in die wohl begehrteste Bleibe der Engelsburg: die Turmsuite. Hinter den 1,50 Meter dicken Mauern des Turms residiert der Gast gediegen und alles andere als barrierefrei. Wer vom Bad ins Bett möchte oder ins Wohnzimmer, der muss stets eins tun: Treppen steigen.

 

Rolf Rose berichtet von prominenten Schauspielern, die im Doppelbett der Turmsuite nächtigten. Darunter Kevin Spacey und John Malkovich, die bei den Ruhrfestspielen auf der Bühne standen.

 

Im Schlafzimmer hält Rolf Rose inne. Der Raum wirke kleiner als sonst, meint der frühere Lehrer des Berufskollegs Mitte. In das Rund hat das Hotel eine kleine Toilette einbauen lassen. Der Stadtführer grinst: „Jetzt kann ich den Leuten gar nicht mehr sagen, dass sie nachts Treppensteigen müssen, wenn sie auf die Toilette wollen.“

 

Besonders prachtvoll präsentiert sich das Kaminzimmer – das frühere Wohnzimmer des Richters Münch. Unter der Stuckdecke ist Platz für eine ganze Hochzeitsgesellschaft. Und solche finden sich regelmäßig zu Trauungen im Kaminzimmer ein.

 

Über dem Kamin hängt das Wappen der Arenberger. Sie erstanden die Engelsburg 1804. Anfang des 20. Jahrhunderts kauften die Firmen Still, Kufus und Schweisfurth das Anwesen und bauten es zu einem Casino für die oberen Zehntausend um, mit Tennisplätzen und Kegelbahnen. Heute ist die Engelsburg ein Vier-Sterne-Hotel mit 65 Zimmern.

 

Plätschernde Brunnen im „Ehrenhof“ vorne und im Park hinten lassen den Alltagsstress im Schatten der 700 Jahre alten Stadtmauer schnell vergessen. Auch deshalb ist die Engelsburg für Rolf Rose der schönste weltliche Bau der Stadt.